
Gjirokastra
Gjirokastër, Albania
Gjirokastër erhebt sich in Terrassen am Hang des Gjerë-Gebirges in Südalbanien, seine schiefergedeckten Steinhäuser blicken etwa 300 Meter hinab auf das Drino-Tal. Die UNESCO nahm die Altstadt 2005 in die Welterbeliste auf, als seltenes und außergewöhnlich gut erhaltenes Beispiel einer osmanischen Balkanstadt. Ein Spaziergang durch ihre steilen Kopfsteinpflastergassen mit ihren hohen Steinmauern und Holzbalkonen ist das, was in Europa einem Schritt ins 18. Jahrhundert am nächsten kommt.
Die Burg
Die Burg ist eine der größten des Balkans, sie nimmt einen langen Bergrücken oberhalb der Stadt ein und ist kilometerweit in alle Richtungen sichtbar. Eine Festung steht hier seit mindestens dem 12. Jahrhundert, doch das meiste, was erhalten ist, stammt aus osmanischer Zeit und dem frühen 20. Jahrhundert. Im Inneren beherbergt eine lange Steingalerie erbeutete Artillerie aus beiden Weltkriegen, ein Nationales Waffenmuseum und, auf den oberen Wehrgängen, ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug, das 1957 zur Landung gezwungen und seitdem hier aufbewahrt wird. Die Ausblicke von den Mauern, über die Schieferdächer der Altstadt, das Drino-Tal und die Berge dahinter ,gehören zu den schönsten Albaniens.
Die Steinere Stadt
Unterhalb der Burg erstreckt sich die Altstadt entlang einer Reihe von Kopfsteinpflastergassen, die sich zwischen osmanischen Turmhäusern aus dem 17. bis 19. Jahrhundert winden. Das Zekate-Haus und das Skenduli-Haus sind die beiden eindrucksvollsten , dreistöckige befestigte Herrenhäuser mit aufwendig bemalten Decken, geschnitzten Holzinterieurs und Räumen, die nach den strengen Hierarchien eines osmanischen Haushalts angeordnet sind. Das Basarviertel im Zentrum der Altstadt ist noch immer ein lebendiges Viertel mit Cafés, Antiquitätenläden und Kunsthandwerksständen und bleibt einer der besten Orte in Albanien, um traditionelle Textilien und Silberwaren zu kaufen.
Der Kalter-Krieg-Tunnel
Versteckt unter der Stadt wurde in den 1970er Jahren ein gewaltiger Kalter-Krieg-Bunker in den Fels geschlagen, 800 Meter Korridore und 59 Räume, die lokalen Parteifunktionären im Falle eines Atom- oder Chemiewaffenangriffs Schutz bieten sollten. Seine Existenz wurde bis in die 1990er Jahre selbst vor den Bewohnern der Stadt geheim gehalten. Heute ist er als geführter 20-minütiger Rundgang durch weitgehend unrestaurierte Räume, Verhörzellen, Schlafquartiere, ein Luftfilterraum, für die Öffentlichkeit zugänglich und vermittelt die Paranoia der Hoxha-Jahre eindrucksvoller als jedes konventionelle Museum.
Geburtsstadt eines Schriffstellers und eines Diktators
Gjirokastër ist die Geburtsstadt sowohl des berühmtesten Romanciers Albaniens, Ismail Kadare, als auch des langjährigen kommunistischen Diktators Enver Hoxha. Kadares Kindheitshaus wurde als kleines Museum restauriert, das seinem Leben und Werk gewidmet ist. Hoxhas Geburtshaus, in einer anderen Straße, beherbergt heute das Ethnographische Museum der Stadt. Die Nähe der beiden, eines zu einem Schriftsteller, der jahrzehntelang unter und gegen Zensur arbeitete, das andere zu dem Mann, der sie verhängtem ist eine der leisen Ironien der Stadt.
Anreise
Gjirokastër liegt etwa 230 Kilometer südlich von Tirana und 35 Kilometer nördlich von Sarandë und ist damit eine natürliche Zwischenstation auf jeder Route zwischen Riviera und Hauptstadt. Die Altstadt erkundet man am besten zu Fuß, doch der Aufstieg zwischen Unterstadt und Burg ist steil und das Kopfsteinpflaster unnachgiebig ,bequeme Schuhe sind unerlässlich.
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